22. Juli 2026

Was für dich normal ist, das ist für andere etwas Besonderes

"Aber das ist doch nichts Besonderes.“

Diesen Satz höre ich in meinen Gesprächen immer wieder.

Vor mir sitzt eine Kundin und erzählt mir, was sie in den letzten Jahren alles gemacht hat. Welche Erfahrungen sie gesammelt hat, welche Probleme sie gelöst hat und wobei andere Menschen immer wieder ihre Unterstützung suchen.

Während ich zuhöre, denke ich: Da steckt so viel drin.

Und sie? Sie findet das alles ziemlich normal. Sie erzählt mir, dass sie schnell erkennt, wo etwas nicht rundläuft, dass Menschen ihr vertrauen und ihr Dinge erzählen, über die sie sonst kaum sprechen, dass sie in schwierigen Situationen ruhig bleibt und meistens einen Weg findet, wenn andere längst nicht mehr weiterwissen.

Für sie ist das nichts Besonderes. Sie macht das eben. Doch da liegt das Problem.

Was uns leichtfällt, nehmen wir oft nicht ernst genug

Wir neigen dazu, unsere Fähigkeiten an der Anstrengung zu messen.

Wenn ich lange für etwas lernen musste, eine Ausbildung gemacht oder ein Zertifikat bekommen habe, dann kann ich sagen: Das ist eine Kompetenz.

Aber was ist mit den Dingen, die uns scheinbar einfach zufliegen? Was ist mit den Fähigkeiten, die wir schon so lange nutzen, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken?

Genau die übersehen wir häufig. Denn was für mich selbstverständlich ist, erscheint mir nicht besonders. Ich kann das doch einfach.

Also denke ich, dass andere das bestimmt auch können.

Nein, können sie nicht! Zumindest nicht auf deine Art.

„Das kann doch jeder.“

Diesen Satz dürfen wir uns wirklich einmal genauer anschauen.

Nur weil dir etwas leichtfällt, bedeutet das nicht, dass es für andere genauso einfach ist. Der eine kann in einem Raum voller Menschen sofort Verbindungen herstellen. Eine andere erkennt innerhalb kürzester Zeit, wo ein Prozess hakt. Jemand schafft es, Menschen mit seiner Ruhe Sicherheit zu geben und wieder jemand sieht in einem riesigen Gedankenknäuel sehr schnell den einen Faden, an dem man anfangen kann zu ziehen.

Für diese Menschen fühlt sich das oft nicht nach Expertise an. Es ist einfach das, was sie tun. Aber genau dafür werden sie von anderen gebraucht.

Deine Expertise steht nicht nur in deinem Lebenslauf

Natürlich sind Ausbildungen, Berufserfahrung und Fachwissen wichtig. Aber deine Expertise besteht aus viel mehr. Sie ist über Jahre entstanden - durch Erfahrungen, durch Fehler, durch Entscheidungen, durch Situationen, die du gemeistert hast, durch Menschen, mit denen du gearbeitet hast. Ja, und auch durch all die Dinge, die du heute ganz selbstverständlich tust, weil du sie schon hundertmal gemacht hast.

Oft erkennen wir den Wert darin selbst gar nicht mehr, andere schon. Deshalb lohnt es sich, genau hinzuhören.

Wofür fragen dich andere immer wieder um Rat? Was fällt dir leicht, während andere damit kämpfen? Bei welchen Themen denkst du sofort: Das ist doch eigentlich ganz einfach? Was sagen andere über dich, das du selbst längst für selbstverständlich hältst?

Dort können Hinweise auf etwas liegen, das dich besonders macht.

Aber nicht alles, was du kannst, muss ein Angebot werden

Jetzt kommt ein Punkt, der mir wichtig ist.

Nur weil du etwas besonders gut kannst, musst du daraus noch lange kein Business machen. Schon gar nicht musst du alles anbieten, was du kannst. Sonst landen wir genau bei dem Bauchladen, den viele Selbstständige irgendwann mühsam wieder aufräumen müssen.

Die entscheidende Frage ist für mich nicht: Was kann ich alles?

Viel spannender ist: Was davon möchte ich wirklich einsetzen?

Was passt zu mir? Was passt zu den Menschen, mit denen ich arbeiten möchte? Welches Problem kann ich damit lösen? Wofür möchte ich am Ende bekannt sein?

Erst dann wird aus einer Fähigkeit eine Expertise, die auch für dein Business relevant ist.

Manchmal brauchen wir dafür einen Blick von außen

Ich kenne das auch aus meiner Arbeit. Meine Kund*innen erzählen mir etwas ganz nebenbei und ich hake nach.

„Moment mal. Was hast du da gerade gesagt?“

Dann schauen sie mich manchmal an, als wäre das doch völlig selbstverständlich - für sie schon, für mich nicht und für ihre potenziellen Kund*innen vielleicht erst recht nicht.

Wir selbst stehen einfach zu nah vor unserem eigenen Bild. Wir sehen unsere Ausbildungen, unsere einzelnen Stationen, unsere Fähigkeiten und Erfahrungen. Aber wir erkennen nicht immer, was all das miteinander verbindet.

Ein Mensch von außen sieht manchmal etwas, das für uns selbst längst normal geworden ist. Nicht, weil dieser Mensch uns besser kennt als wir uns selbst. Er schaut nur aus einer anderen Perspektive.

Deine Besonderheit muss nicht laut sein

Wenn wir über Positionierung und Sichtbarkeit sprechen, entsteht schnell der Eindruck, wir müssten etwas finden, das noch nie jemand vor uns gemacht hat, wie die eine Methode, das völlig neue Angebot und /oder den Unterschied, den garantiert niemand kopieren kann.

Ich glaube nicht daran. Du musst nicht krampfhaft besonders sein. Das bist du längst. Du bist es durch die Verbindung aus dem, was du kannst, was du erlebt hast, wie du denkst und wie du mit Menschen arbeitest.

Die eigentliche Aufgabe ist, das selbst zu erkennen. Und es dann so klar zu machen, dass auch andere verstehen, warum genau das für sie wertvoll sein kann.

Denn etwas, das für dich völlig normal ist, kann für einen anderen Menschen genau das sein, was ihm gerade fehlt.

Es lohnt es sich deshalb, heute einmal nicht danach zu fragen, was du noch lernen musst.

Frag dich lieber: Was kann ich längst, dessen Wert ich selbst gar nicht mehr sehe?

Die Antwort könnte interessanter sein, als du denkst.

Marita

Über Klarheit zur Machbarkeit – ins Tun.

hello world!

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