Vor ein paar Tagen hatte ich ein Gespräch mit einer Trainerin, die neu in meiner Dozentenvermittlung ist.
Noch bevor sie richtig erzählt hatte, was sie macht, kam fast entschuldigend:
„Ich bin viel zu breit aufgestellt.“
Dann erzählte sie von ihren Erfahrungen, ihren Aus- und Weiterbildungen, den unterschiedlichen Methoden, mit denen sie arbeitet. Ja, da kam einiges zusammen.
Während ich ihr zuhörte, sprang bei mir ziemlich schnell meine innere „Positionierungstante“ an. 😉
Denn ich hatte überhaupt nicht das Gefühl, dass diese Frau zu breit aufgestellt ist.
Sie kann einfach ziemlich viel. Das ist für mich ein Unterschied.

Wann bin ich wirklich zu breit aufgestellt?
Für mich nicht dann, wenn du viele Kompetenzen, Erfahrungen oder Methoden mitbringst. Zu breit wird es eher, wenn für dein Gegenüber nicht mehr erkennbar ist, wem du womit helfen möchtest und wofür du stehst.
Viele Kompetenzen sind also nicht automatisch das Problem. Entscheidend ist, ob sie eine gemeinsame Richtung haben. Deshalb habe ich die Trainerin gefragt:
Wofür setzt du all das ein?
Plötzlich wurde aus dem vermeintlichen Durcheinander etwas ziemlich Klares. Denn ihre Kompetenzen führten gar nicht kreuz und quer in alle möglichen Richtungen. Vieles davon zahlte auf dasselbe ein.
Sie musste nicht weniger können. Wir mussten nur das gemeinsame Dach finden.
Muss ich mich für eine klare Positionierung auf eine Leistung beschränken?
Nein. Eine klare Positionierung bedeutet für mich nicht, dass du nur noch eine Kompetenz, eine Methode oder eine Leistung anbieten darfst.
Mein Gegenüber sollte verstehen können, wobei ich helfen kann und warum er damit bei mir richtig ist. Diese Mischung aus unterschiedlichen Erfahrungen, Fähigkeiten und Persönlichkeit kann das sein, was die eigene Arbeit besonders macht. Zwei Menschen können auf dem Papier dasselbe anbieten und trotzdem völlig unterschiedlich arbeiten.
Deshalb beginnt Positionierung für mich auch nicht mit der Frage: Was muss weg?
Ich schaue lieber zuerst: Was ist da? Was gehört zusammen? Und wofür soll all das eingesetzt werden?
Dann darf aussortiert werden, wenn tatsächlich etwas nicht mehr passt. Aber eben nicht nur, weil irgendwo steht, dass eine gute Positionierung möglichst schmal sein muss.
Du musst nicht weniger können
Genau solche Gespräche liebe ich an meiner Arbeit. Am Anfang sitzt jemand vor mir und sagt:
„Ich kann mich einfach nicht positionieren. Ich kann zu viel.“
Nach ein bisschen Sortieren sieht die Sache plötzlich ganz anders aus. Das Viele ist immer noch da, nur nicht mehr als Bauchladen. Es hat eine Richtung bekommen.
Oft entsteht dabei genau dieser kleine Moment, den ich so mag:
„Ach so, ich muss gar nicht weniger können. Ich muss nur klarer wissen, wofür ich das alles einsetze.“
Ja, genau das das ist für mich Positionierungsarbeit.
Wenn du selbst das Gefühl hast, zu viel zu können, um dich klar zu positionieren, würde ich deshalb nicht als Erstes überlegen, was du streichen kannst.
Schau erst einmal hin, was da eigentlich alles liegt und was davon zusammengehört.
Es braucht keinen kleineren Bauchladen. Es braucht einfach jemanden, der beim Sortieren hilft.